Hans-Wal­ter Schm­uhl: Ca­rl Ma­ria von We­bers Ver­hält­nis zum Ju­den­tum im Span­nungs­feld von Vor­ur­teil und Auf­klä­rung

Hans-Walter Schmuhl (Bielefeld): Carl Maria von Webers Verhältnis zum Judentum im Spannungsfeld von Vorurteil und Aufklärung

Carl Maria von Webers Verhältnis zum Judentum war ambivalent. In seinen Korrespondenzen tauchen hin und wieder abwertende Äußerungen über Menschen jüdischen Glaubens auf, die sich nicht mehr dem traditionellen religiösen Antijudaismus und noch nicht dem modernen Rassenantisemitismus zuordnen lassen. Es handelt sich vielmehr um kulturelle Stereotype, die Juden als gerissene und habgierige Geschäftsleute charakterisieren – Vorurteile, derer sich von Weber durchaus bewusst war, die er aus dem Geist der Aufklärung heraus ablehnte, denen er sich aber im konkreten Fall nicht entziehen konnte. Er war damit ein Kind seiner Zeit, die von den Anfängen der Judenemanzipation wie vom Frühantisemitismus gleichermaßen geprägt war.

Hans-Walter Schmuhl wurde 1957 in Oberhausen/Rheinland geboren und studierte Geschichte, Latein und Deutsch in Bochum und Bielefeld. 1986 wurde er mit einer Arbeit über „Rassenhygiene, Nationalsozialismus, Euthanasie. Von der Verhütung zur Vernichtung ‚lebensunwerten Lebens’, 1890–1945“ promoviert. 1995 habilitierte er sich mit einer Arbeit über „Die Herren der Stadt. Bürgerliche Eliten und städtische Selbstverwaltung in Nürnberg und Braunschweig vom 18. Jahrhundert bis 1918“. Er lebt als selbstständiger Historiker in Hameln. 2005 wurde er zum außerplanmäßigen Professor an der Fakultät für Geschichtswissenschaft, Philosophie und Theologie der Universität Bielefeld ernannt. Forschungsschwerpunkte: Historische Sozialpolitikforschung, Stadtgeschichte, Wissenschaftsgeschichte, Zeitgeschichte. Publikation: Zwischen Göttern und Dämonen. Martin Stephani und der Nationalsozialismus (= Beiträge zur Kulturgeschichte der Musik; 12), München 2019.