Exposé und Einleitung einer wissenschaftlichen Arbeit
Exposé und Einleitung sind zwei eng verwandte Textsorten. In beiden geht es darum, die Konzeption Ihrer Arbeit zu erklären. Aus dem Exposé entwickeln Sie später die Einleitung Ihrer Arbeit.
Exposé
Ein Exposé ist die Darlegung eines zu wissenschaftlichen Vorhabens. Es richtet sich
- an Ihre*n Betreuer*in oder den Prüfungs-/Promotionsausschuss
- an Institutionen, die Ihr Projekt fördern sollen
- an Sie selbst – indem Sie sich selbst über Ziele und Struktur Ihrer Arbeit klar werden.
Mit dem Exposé machen Sie sich selbst und Ihren Leser*innen klar,
- was die Problemstellung Ihrer Arbeit ist,
- warum es wichtig und interessant ist, sich mit diesem Problem zu beschäftigen,
- was die bisherige Forschung zu der Thematik bereits herausgefunden hat und was sie offen gelassen hat,
- wie Sie herangehen wollen.
Je nach Zweck sind Exposés unterschiedlich lang. Für Arbeiten an der Hochschule (Studienarbeiten, BA, MA) schreiben Sie 1–3 Seiten, bei Dissertationen oder für Stpiendien- und Forschungsanträge können es 10 oder mehr Seiten sein. Prüfen Sie, welche Vorgaben die Institution oder die Prüfungsordnung machen.
Bestandteile eines Exposés:
1. Titel
Kein Exposé ohne Überschrift! Wenn man Schwierigkeiten hat, den Titel zu formulieren, ist das ein Hinweis darauf, dass einer*m selbst noch nicht ganz klar ist, was man will.
2. Problemstellung und Zielsetzung
Machen Sie Ihren Leser*innen klar, warum Ihr Thema interessant und wichtig ist.
- Gegenstand
- Problem- oder Fragestellung
- erste Hypothesen
- Relevanz – für die wissenschaftliche Diskussion und für gesellschaftliche und pädagogische Diskurse
3. Stand der Forschung
Das eigene Projekt ergibt sich aus den Desiderata der bisherigen Forschung. Erklären Sie, warum Ihre Arbeit notwendig ist, trotz der bereits vorhandenen Forschung. Machen Sie deutlich, in welchen Forschungsdiskurs Sie sich mit Ihrer Arbeit hineinschreiben.
- Was wurde bereits erforscht?
- Was ist in der Forschung noch ungeklärt oder nicht hinreichend beantwortet?
- In wiefern gehen Sie über die bisherigen Forschung hinaus?
Um den Forschungsstand zu beschreiben, müssen Sie die wichtigsten einschlägigen Arbeiten zumindest oberflächlich kennen. Beziehen Sie sich dabei nicht nur auf Ihr spezielles Thema, sondern auch auf benachbarte Themen.
4. Vorgehen, Methoden, Forschungsmaterial
Erklären Sie, wie Sie vorgehen wollen, um Ihre Problemstellung zu bearbeiten. Überlegen Sie genau, welche Arbeitsschritte notwendig sind. Beantworten Sie dabei folgende Fragen:
- Welche Methode(n) wollen Sie anwenden – und warum ist/sind gerade diese sinnvoll? In Frage kommen z. B.
- empirische soziologische Methoden (qualitative oder quantitative Forschung);
- Hermeneutik (Analyse und Interpretation von Musik, Texten, Aufnahmen, Objekten etc.)
- Quellenforschung/Philologie
- experimentelle Herangehensweisen (Neurologie, Psychologie)
- Welche Art von Material steht im Mittelpunkt? In Frage kommen z. B.
- quantitative oder qualitative Daten. Dabei deutlich machen: Wollen Sie diese Daten selbst erheben oder werten Sie Daten aus, die andere erhoben haben?
- Noten, Ton- oder Videoaufnahmen, Texte, Bilder, Objekte. Deutlich machen: Stehen diese Materialien in Editionen zur Verfügung oder wollen Sie sie in Archiven suchen?
- Auf welcher Theoriebasis arbeiten Sie? Welche Theorien lassen sich für Ihr Thema fruchtbar machen?
- Welche sachlichen Voraussetzungen (z. B. historischer Hintergrund, biografische Informationen, Quellenbeschreibungen) müssen geklärt werden, bevor Sie zum methodischen Kern der Arbeit kommen?
Aus diesen Überlegungen ergibt sich der Aufbau Ihrer Arbeit.
5. Eigene Vorarbeiten
- Was haben Sie schon im Vorfeld am Projekt getan? Auf welchen anderen eigenen Arbeiten können Sie ggf. aufbauen?
Anhang
- Arbeits- und Zeitplan
- Literaturverzeichnis (die im Exposé erwähnte Literatur, ggf. Ergebnisse weiterer bibliographischer Recherchen in Auswahl)
Mehr zum Thema Exposé:
Michael Kersten: Anleitung zum Erstellen eines Exposees. Zur systematischen Planung einer Haus- oder Abschlussarbeit. Universität Duisburg-Essen, Fachbereich Gesellschaftswissenschaften, 2009. (https://www.uni-due.de/imperia/md/content/politik/anleitung_exposee.pdf, Abruf: 15.03.2021)
Einleitung
Der wichtigste Teil der Arbeit!
Die Einleitung ist vielleicht der wichtigste Teil einer wissenschaftlichen Arbeit. Sie begründet, warum Sie die Arbeit in dieser Art und Weise schreiben, und ›zwingt‹ Sie dazu, sich Fragestellung und Vorgehen wirklich bewusst zu machen. Den Leser*innen (bzw. Prüfenden) zeigt sich schon hier das Reflexionsniveau Ihres Textes. Faustregel für die Länge: 10% des Textes, bei kürzeren Arbeiten eher mehr.
Schreibt man die Einleitung am Schluss?
Viele Leute sagen, die Einleitung schreibe man am Schluss, wenn der Rest der Arbeit fertig ist. Das ist nur halb richtig. Schreiben Sie ganz zu Beginn Ihres Arbeitsprojekts das Exposé und lassen es von der Betreuer*in absegnen. Während Sie die Arbeit schreiben, kommen Sie immer wieder aufs Exposé zurück und überprüfen, ob Sie den roten Faden noch nicht verloren haben. Manchmal macht es die Entwicklung der eigenen Arbeit nötig, das Exposé anzupassen – z. B. weil man Material findet, das viel spannender ist als das, was man ursprünglich in den Mittelpunkt stellen wollte. Wenn Sie das letzte Kapitel geschrieben haben, arbeiten Sie das Exposé zur Einleitung um. Dabei spannen Sie zugleich den Bogen von der Einleitung zum Fazit: Das Fazit kommt auf die in der Einleitung aufgeworfenen Fragen zurück.
Unterschied zwischen Einleitung und Exposé
Die Einleitung ist konkreter und präziser als das Exposé. Vor allem der Forschungsstand fällt ausführlicher aus. Zeitplan und Literaturverzeichnis entfallen in der Einleitung.
Einleitung, nicht »Einführung«, nicht »Vorwort«!
Einleitung, Einführung und Vorwort sind unterschiedliche Textsorten, die Sie nicht verwechseln dürfen.
Die Einleitung hat strukturelle Funktion, sie stellt die Konzeption Ihrer Arbeit dar. Sie ist unverzichtbarer Bestandteil jeder wissenschaftlichen Arbeit.
Einführende Informationen, etwa zum historischen, sozialen oder theoretischen Kontext des Themas, werden im Hauptteil der Arbeit untergebracht, meist als eines der ersten Kapitel.
Ein Vorwort ist in Qualifikationsarbeiten nicht üblich. Man findet es vor allem in Veröffentlichungen (z. B. der Druckfassung der Doktorarbeit). In ein Vorwort gehören persönliche Bemerkungen, z. B. Danksagungen oder Schilderungen äußerer Anlässe für das Thema.
Bestandteile einer Einleitung
Die folgenden Bestandteile sollten in Ihrer Einleitung vorkommen; die Reihenfolge kann variieren.
- Einstieg (z. B. eine Beobachtung, ein Ereignis, ein Beispiel oder eine pointierte Aussage) – Was ist der Punkt, über den man sich wundert?Versetzen Sie Ihre*n Leser*in in die Welt Ihres Themas.
- Herausarbeiten der Frage- bzw. Problemstellung – Was möchte ich herausbekommen, was möchte ich zeigen?
- Begründung des Themas und seiner Relevanz (im Zusammenhang der Forschungsdiskussion oder im Zusammenhang mit der Fragestellung der Lehrveranstaltung) – Warum ist mein Thema interessant und wichtig?
- Darlegung des Vorgehens und der Forschungsmaterialien (Quellen, Datenerhebungen usw.) – Wie gehe ich vor? Welche Quellen/Daten/Materialien sind ergiebig für das, was ich zeigen möchte?
- Aufgliederung in Aspekte – Warum ist die Arbeit so und nicht anders gegliedert?
- Eingrenzung – Welche Aspekte lasse ich weg – und warum ist das gerechtfertigt?
- Forschungsstand – Was ist schon bekannt, welche Fragen sind offen oder noch nicht hinreichend beantwortet? Sie können einen eigenen Abschnitt »Zum Forschungsstand« schreiben oder die Anmerkungen zum Forschungsstand den Aspekten des Thema zuordnen. Entwickeln Sie Ihr eigenes Vorgehen aus den Desiderata der Forschung.
Tipp: Nehmen Sie sich eine wissenschaftliche Arbeit (z. B. eine Dissertation, die Ihnen gefällt) als Modell vor und schauen Sie sich Aufbau und Funktion der Einleitung an.