Sa­lome Obert: „Ich arbeite also frisch drauf los.“ Webers un­vol­len­dete Op­er Die drei Pin­tos

Salome Obert (Detmold/Paderborn): „Ich arbeite also frisch drauf los.“ Webers unvollendete Oper Die drei Pintos

Carl Maria von Weber kennt man als Opernkomponisten: Als erstes fällt einem natürlich sein Freischütz ein. Vielleicht etwas später auch die Euryanthe oder sein Schwanengesang, der Oberon. Was in seinem Oeuvre vermeintlich fehlt, ist eine große komische Oper – denn seinen Abu Hassan aus frühen Jahren bezeichnete er selbst einmal als kleine Oper. Weber hat sich dennoch um die Umsetzung eines weiteren, heiteren Stoffes bemüht und beschäftigte sich 1821 mit der Komposition seiner Oper Die drei Pintos. Die Pintos sind allerdings ein Sonderfall, da sie unvollendet sind.

In zwei verschiedenen Manuskripten liegen zwar Entwürfe bis zum Beginn des zweiten Akts vor, dennoch sind diese in einer Art und Weise aufgeschrieben, die kaum Rückschlüsse auf die konkrete Gestaltung des Orchesterapparats geben. Denn während die Singstimmen, sowohl in Bezug auf die Noten als auch den unterlegten Text, in der Regel sehr genau notiert sind, ist der begleitende Part in einer Art Klaviersatz festgehalten. Ab und zu sind einzelne Orchesterinstrumente angegeben, von einer durchgehenden Orchestrierung ist das aber weit entfernt. Davon abgesehen fehlt über die Hälfte der geplanten Nummern, sodass es insgesamt zu viele Leerstellen gibt, um die Oper in ihrer vorliegenden Form aufzuführen.

Der Vortrag beleuchtet zum einen die Quellenlage und erläutert zum anderen, warum eine Beschäftigung mit dem von Weber hinterlassenen Torso lohnenswert ist. Denn so viele Lücken uns das vorhandene Material auch lässt, bietet es uns auch viele Ansätze, mehr über Weber zu erfahren.

Salome Obert studierte Kulturwissenschaften und ästhetische Praxis sowie Musikwissenschaft mit Schwerpunkt Digitale Edition in Hildesheim und Paderborn mit Auslandsaufenthalten in Campobasso/Italien und Lissabon/Portugal. Ihre Masterarbeit entstand im Rahmen des Akademie-Projekts Beethovens Werkstatt und beschäftigte sich mit Beethovens Kompositions- und Schreibprozessen am Beispiel des Lieds op. 75, Nr. 3. Obert erhielt dafür den Preis für herausragende Abschlussarbeiten der Fakultät für Kulturwissenschaften der Universität Paderborn.

Seit 2021 ist sie wissenschaftliche Mitarbeiterin der Carl-Maria-von-Weber-Gesamtausgabe, wo sie über das Opernfragment Die drei Pintos promoviert.