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Der Friedrichsthaler Kanal in Detmold mit dem Favouriteschloss, dem heutigen Palais der Hochschule für Musik, im 18. Jahrhundert. Bildinformationen anzeigen
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Der Friedrichsthaler Kanal in Detmold mit dem Favouriteschloss, dem heutigen Palais der Hochschule für Musik, im 18. Jahrhundert.

Bildnachweis Stephan Summers

Musik in der NS-Zeit. Kollaborateure – Involvierte – Profiteure

Möchte man sich heutzutage über Personen des nationalsozialistischen Musikbetriebes informieren, so ist man schon lange nicht mehr auf entsprechende “analoge” Literatur angewiesen: Online-Datenbanken, die die Schicksale der vom System Verfolgten sammeln und aufarbeiten, bieten die Möglichkeit neuer Darstellungs- und Vermittlungsformen von Wissen. Möchte man sich hingegen über diejenigen Personen informieren, die sich als aktive oder passive Entscheidungsträger verantwortlich zeichneten, sucht man derartige Datenbanken vergeblich: In der Fachliteratur werden vornehmlich einige Hauptschuldige dargestellt oder der Leser stößt vielerorts auf Leerstellen in den individuellen Werdegängen. Die Konsequenz ist ein verzerrtes Bild von Geschichte.

Unter dem Titel Musik in der NS-Zeit – Kollaborateure, Involvierte, Profiteure haben Master-Studierende des Musikwissenschaftlichen Seminars damit begonnen, eine Online-Plattform aufzubauen, die umfassende Informationen zu Personen, die sich aktiv in die NS-Musikpolitik eingebracht haben, bereitstellt. Dies soll dazu dienen, Formen der Kollaboration mit dem nationalsozialistischen System und dessen Machtstrukturen aufzudecken: Die Website besteht aus Personenartikeln zu Musiker*innen, Komponist*innen, Publizist*innen, Verleger*innen, Kulturfunktionär*innen etc., die nicht nur zeigen, wie die entsprechende Person in das musikpolitische System zur Zeit des Nationalsozialismus eingebunden waren, sondern darüber hinaus Narrative über deren individuelle Werdegänge nach 1945 aufschlüsseln. Ergänzt werden die Personalartikel mit Sachartikeln über Institutionen und Organisationen aus der NS-Zeit und der Nachkriegszeit.

Dabei wurde das digitale Medium gewählt, um eine intuitiv verständliche Vernetzung der Personen- und Sachartikel untereinander gewährleisten zu können. Mit zunehmender Zahl der Beiträge soll dabei die Komplexität und Struktur des kulturpolitischen Apparates anschaulich gemacht werden. Die einzelnen Artikel sind so aufbereitet, dass sie auch an dem Thema arbeitende Forscher*innen zu neuen Erkenntnissen verhelfen oder weitere Forschungen anregen. Hinter alldem steht letztlich das übergeordnete Anliegen, den konstruktiven Dialog zwischen den Nachfahren der Opfer und Täter anzubahnen und zu verhindern, dass Handlungen von Tätern und Opfern nivelliert werden.

Eine Präsentation des Projektes ist auf der Jahrestagung der Gesellschaft für Musikforschung im September 2019 in Detmold geplant. Zuvor wird auf einer Abschlussveranstaltung Mitte Mai 2019 das Projekt im Rahmen einer Pressekonferenz vorgestellt und der Vorteil einer digitalen Informationsplattform an exemplarischen Artikeln demonstriert. Nähere Informationen zu dieser Veranstaltung folgen Anfang 2019.