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Der Friedrichsthaler Kanal in Detmold mit dem Favouriteschloss, dem heutigen Palais der Hochschule für Musik, im 18. Jahrhundert. Bildinformationen anzeigen
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Bildnachweis HfM Detmold/Frank Beyer

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Der Friedrichsthaler Kanal in Detmold mit dem Favouriteschloss, dem heutigen Palais der Hochschule für Musik, im 18. Jahrhundert.

Bildnachweis Stephan Summers

Musik in der NS-Zeit. Kollaborateure – Involvierte – Profiteure

Als im August 2018 der 118. Deutsche Wandertag in Lippe stattfand, war die Resonanz groß und die Teilnehmer*innen erfreuten sich nicht nur an der lippischen Natur, sondern auch an der reichhaltigen Kulturlandschaft der Region. Auf dem Flyer zum Tourenangebot des Wandertages wurde dabei auch das Lied „Hoch Meinberg immerdar!“ von August Weweler aus dem Jahre 1934 abgedruckt. Informationen über den Komponisten enthielt die Broschüre nicht. Allerdings verwies im Nachhinein ein Artikel in der Lippischen Landeszeitung auf die nationalsozialistische Vergangenheit des Komponisten: Weweler war Begründer der lippischen Abteilung des Kampfbundes für Deutsche Kultur, die SA sang damals ein Marschlied aus seinem Festspiel Hermann der Cherusker.

Den Organisatoren des Deutschen Wandertages war dies offensichtlich entgangen. Aber, wie hätten die VerfasserIn der Broschüre an diese Informationen gelangen können, zumal weder ein Wikipedia-Artikel noch ein eigener MGG-Artikel (Die Musik in Geschichte und Gegenwart) über Weweler existiert. Zwar gibt es sowohl Fachliteratur als auch Dokumente im Lippischen Landesarchiv, diese sind aber nicht ohne größeren Aufwand aufzutreiben.

Inzwischen hat sich eine studentische Projektgruppe gegründet, die sich zur Aufgabe gemacht hat, die Informationen über Weweler und viele andere Komponisten und Musikschaffende aus der NS-Zeit auf einer Website einer großen Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen.

 

Unter dem Titel Musik in der NS-Zeit – Kollaborateure, Involvierte, Profiteure haben Studierende des Musikwissenschaftlichen Seminars damit begonnen, eine Online-Plattform aufzubauen, die Informationen zu Personen, die sich aktiv in die NS-Musikpolitik eingebracht haben, bereitstellt. Dies soll dazu dienen, Formen der Kollaboration mit dem nationalsozialistischen System und dessen Machtstrukturen aufzudecken: Die Website besteht aus Personenartikeln zu Musiker*innen, Komponist*innen, Publizist*innen, Verleger*innen, Kulturfunktionär*innen etc., die nicht nur zeigen, wie die entsprechende Person in das musikpolitische System zur Zeit des Nationalsozialismus eingebunden waren, sondern darüber hinaus Narrative über deren individuellen Werdegänge nach 1945 aufschlüsseln. Ergänzt werden die Personalartikel mit Sachartikeln über Institutionen und Organisationen aus der NS-Zeit und der Nachkriegszeit.

 

Dabei wurde das digitale Medium gewählt, um eine intuitiv verständliche Vernetzung der Personen- und Sachartikel untereinander gewährleisten zu können. Mit zunehmender Zahl der Beiträge soll dabei die Komplexität und Struktur des kulturpolitischen Apparates anschaulich gemacht werden. Die einzelnen Artikel sind so aufbereitet, dass sie auch an dem Thema arbeitende Forscher*innen zu neuen Erkenntnissen verhelfen oder weitere Forschungen anregen. Hinter alldem steht letztlich das übergeordnete Anliegen, den konstruktiven Dialog zwischen den Nachfahren der Opfer und Täter anzubahnen und die Nivellierung der Differenz zwischen Tätern und Opfern zu verhindern.

 

Eine Vorstellung des Projektes auf der Jahrestagung der Gesellschaft für Musikforschung im September 2019 in Detmold ist angedacht. Auf einer Abschlussveranstaltung Anfang Februar 2019 wird der Stand des Projektes vorgestellt und der Vorteil einer digitalen Informationsplattform an einem exemplarischen Artikel erläutert.