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Der Friedrichsthaler Kanal in Detmold mit dem Favouriteschloss, dem heutigen Palais der Hochschule für Musik, im 18. Jahrhundert. Bildinformationen anzeigen
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Der Friedrichsthaler Kanal in Detmold mit dem Favouriteschloss, dem heutigen Palais der Hochschule für Musik, im 18. Jahrhundert.

Bildnachweis Stephan Summers

Vergnügen verboten – Das faschistische Regime, Venedig und die Unterdrückung des Jazz

Die zwanziger, dreißiger und vierziger Jahre waren von wichtigen Veränderungen in der Unterhaltungsbranche gekennzeichnet. Während das italienische faschistische Regime zunächst eine modernistisch geprägte Kulturpolitik verfolgte, zog es sich ab Mitte der dreißiger Jahre auf autarkische und auslandsfeindliche Positionen zurück, die während der Kriegzeit noch stärker wurden. Die staatliche Zensur wog schwer. Besonders einige Musikarten wie der Jazz und einige aus Amerika importierte Tänze, die zu Swing-Rhythmen rasche und freie Körperbewegungen erlaubten, wurden mit Härte angegriffen.

Konzeptioneller und methodischer Ausgangspunkt des hier vorgelegten Projekts sind eine Reihe den deutschen Fall betreffende historische Studien. Die Forschungen, die sich bisher mit der italienischen Welt des Jazz befasst haben, verfolgen hingegen überwiegend einen dezidiert musikwissenschaftlichen Ansatz. Von einigen Ausnahmen abgesehen gibt es bisher nur wenige Studien mit historiographischer Ausrichtung. Ziel ist es, zu untersuchen, wie sich das faschistische Regime gegenüber neuen Kulturformen wie dem Jazz und den amerikanischen Tänzen verhielt. Es soll gefragt werden, ob die verpönten Lieder und Tänze als Mittel der Kritik und der Opposition gegen das Regime genutzt wurden. Es wäre auch festzustellen, ob einige der öffentlichen Ordnung und Moral vorgeblich schadende Künstler, Musiker, Drehbuchautoren, Tänzer, Theaterdirektoren, Orchester, Regisseure und Showagenten aus diesem Grund verfolgt wurden. Das Projekt zielt daher nicht eigentlich auf eine Jazzgeschichte der dreißiger und vierziger Jahre ab, sondern auf die Untersuchung der repressiven Richtlinien und Praktiken, die sich einerseits an Fragen der öffentlichen Ordnung und Moral orientierten, andererseits unter dem Einfluss der außenpolitischen Entscheidungen des Regimes auf die Kulturpolitik standen.

Venedig ist ein privilegierter Standort für die Untersuchung dieser Fragen. Die Stadt war ein internationaler kultureller Brennpunkt, in dem das Regime sich kosmopolitisch zeigte. So gilt es, die Theaterpolitik des Festivals der zeitgenössischen Musik von Venedig näher zu durchleuchten. Es wurde offiziell vom faschistischen Komponisten Adriano Lualdi geführt. Tatsächlich aber stand es unter der Leitung des international renommierten Musikers Alfredo Casella, der ein so großer Bewunderer der Jazz-Musik war, dass er die Musikpolitik der Regierung öffentlich herausforderte. Es soll herausgefunden werden, wie hier mit der sogenannten „abartigen Musik“ umgegangen wurde und ob vom Regime ansonsten angefeindete oder verbotene Aufführungen Platz fanden. Dies ist ein Beispiel für unsere Forschung zentral berührende Quellen, die in der Kulturstadt Venedig gehoben werden können.